Exit-Erfahrungen
Auf dem Panel „Exitstrategien“, moderiert von Benedikt Mahr, Weitnauer Rechtsanwälte, gab Dr. Andreas Schmidt, interessante Einblicke in seine Exit-Erfahrungen. „Ursprünglich waren wir auf der Suche nach einem strategischen Partner. Schnell entwickelte sich jedoch die Einsicht, dass ein Verkauf des Unternehmens für beide Seiten Sinn machen würde. Die andere Seite war gut finanziert und verfügte über ein gutes Netzwerk“, so Schmidt. „Die Motivation war weniger monetär getrieben, sondern von der Frage: Wie können wir unsere Technologie am besten weiterentwickeln? Und was kann man mit einem viel größeren Team alles erreichen?“ Eine besondere Frage sei jedoch immer, wie man im Rahmen eines Exits mit sensiblen klinischen Daten umgehe oder welche Folgen ein Exit für die eigene Belegschaft habe.
Dr. Marc Struhalla, c-LEcta, beschrieb, wie vor allem die langjährig engagierten Investoren den Exit vorangetrieben hätten. „Dabei sind wir zunächst nach einer Doppelstrategie verfahren, indem wir sowohl Finanzinvestoren, als auch strategische Investoren angesprochen haben.“ Dr. Holger Reitinger von Forbion verwies darauf, dass jeder Exit individuell zu betrachten sei. Vor allem betonte er: „Firmen werden gekauft, nicht verkauft.“ Vor allem solle das Pipeline-Projekt bei der kaufenden Firma weiterentwickelt werden. „Das ist nicht selbstverständlich“ so Reitinger. Häufig werde der Hauptkandidat von der kaufenden Firma eingestellt, um sich eine Konkurrenz vom Hals zu schaffen.
Standort Deutschland im Vergleich
Joachim M. Greuel, Bioscience Valuation BSV, gab anschließend einen Überblick „Biotechnologie-Standorte: eine Makroperspektive“. Die Zuschauer waren sich in der anschließenden Diskussion einig, dass die USA den Unternehmen klare Standortvorteile zu bieten hätten. Das Land, so Greuel, überzeuge mit der schieren Anzahl an universitären Abschlüssen, Unternehmensgründungen und der Verfügbarkeit von Kapital. Für Deutschland wünschten sich manche, das Fach „Wirtschaft“ fester in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. (Präsentation auf Anfrage)
Im letzten Panel „Standorte der Zukunft“, moderiert von Dr. Julia Schaft vom Cluster BioRN und amtierende Sprecherin des Arbeitskreises der Bioregionen, nannte sie zunächst wichtige Standortfaktoren, die den Erfolg eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen, etwa die Verfügbarkeit von Laboren und geeigneten Räumlichkeiten sowie Fachleuten, aber auch günstigen Wohnraum, Schulen oder Kitas.
Dr. Mathias Kromayer, MIG Capital, meinte, der Standort eines Unternehmens sei für einen Investor nicht erstrangig. Trotzdem könnten auch Investoren dazu beitragen, Standorte attraktiver zu machen. Niederlagen, so Kromayer weiter, seien keine Fragen des Standortes. Allerdings müssten sich alle Player fragen, was sie tun könnten, um einen Standort attraktiver zu machen.
Anne Burger, Catalym und Seamless Therapeutics, warf ein, viele Gründer würden es vorziehen, in der Heimat oder an ihrem Unistandort zu bleiben. Entscheidend sei die Verfügbarkeit an personellen Ressourcen. Die Forschungsförderung für Biotech-Unternehmen sei immer noch zu niedrig. Und auch das Thema „Mitarbeiterbeteiligung“ sei mit steuerlichen Herausforderungen verbunden. Britta Thiele-Klapproth vom Swiss Business Hub Germany stellte die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz heraus. Die Schweiz, so Thiele-Klapproth, verfolge anders als Deutschland keine nationale Clusterpolitik. Auch sei das Land weniger reguliert und es gebe weniger kollaborative Systeme: „Die Schweiz tickt anders!“ Gemeinsam war man sich einig, starke Standorte weiter zu stärken, anstatt verfrüht neue Standorte zu gründen.
Am Abend ging es beim Netzwerken im Campus At Home mit Jubiläumstorte sowie im Faculty Club beim Austausch an der Cocktailbar weiter.
In Planung sind derzeit zwei weitere Finance Days für 2024:
- Klassisch im Rahmenprogramm der analytica (Weltleitmesse für Labortechnik, Analytik, Biotechnologie und analytica conference) am Donnerstag, 11. April 2024
- sowie im Herbst 2024 in Leipzig in Kooperation mit biosaxony.